Travemünder Open 2009


Mit Bodo, Tobias M. und mir nahmen drei Marmstorfer mit unterschiedlichem Erfolg am Travemünder Open teil. Für Bodo gab es das übliche Auf und Ab eines Opens, unterbrochen durch je ein Remis in beide Richtungen. Trotz DWZ-Verlustes und verpasster Elohalbzahl war das sicher eine gute Sache, um vor den Mannschaftskämpfen etwas Praxis zu bekommen.

Tobias spielte ein starkes Turnier mit sicheren Siegen gegen Schwächere und immerhin 1½/4 gegen stärkere Konkurrenz, was sich auch positiv auf DWZ und Elo auswirken wird, während der Gewinn des Ratingpreises < 2000 an der Abwesenheit bei der Siegerehrung scheiterte ...

Mein eigenes Debakel sei in der Folge fragmentarisch wiedergegeben:

 

Fria,Leandro (1818) - Hebbinghaus,Holger (2294)

Travemuende op (1.22), 27.12.2009

 

 

Wenn man nach 19 Zügen mit Schwarz so steht, darf man sich über ein Remis nicht beschweren.

 

 

 

15 Züge später stand es so, und ich machte mir wieder Hoffnungen auf mehr als den halben Punkt.

 

 

Allerdings verteidigte sich Weiß von nun an gut (offenbar verbrauchte er damit für die ersten fünf Runden seinen gesamten Vorrat an guten Zügen, denn er ließ zwei kurze Rochaden folgen), so dass ich 25 Züge später in dieser Position darauf verzichtete, neue Partieformulare anzubrechen. 1/2-1/2

 

Hebbinghaus,Holger (2294) - De Graaf,Arnoud (1848)
Travemuende op (2.57), 27.12.2009

 

Besser lief es in der zweiten Runde. 15.Dg5 [15.g4 wäre ebenfalls nicht von schlechten Eltern.] 15...Dxd6 16.Ld3 nötigte angesichts der Drohungen gegen die schwarze Königsstellung meinen Gegner dazu, mittels 16...Sxe5 17.dxe5 Dd8 18.Dxd8 Txd8 19.Lxb5 in ein Endspiel mit gesundem Mehrbauern meinerseits abzuwickeln, den ich knapp 40 Züge später zum ganzen Punkt verwerten konnte. 1-0

 

Steen,Matthias (2020) - Hebbinghaus,Holger (2294)
Travemuende op (3.25), 28.12.2009

 

10.d5 hatte ich in meinem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn als harmlos eingeschätzt. Zwar kann Schwarz sich wohl mit genauem Spiel behaupten, aber Weiß steht etwas besser, und auf mehr als Remis kann ich nicht mehr hoffen. 10...exd5 11.Sxd5 Sxd5 12.Dxd5 Dxd5 13.Lxd5 0-0 14.Lxc6 bxc6 15.Le3 Le6 16.b3 Ld5 17.Tac1 Lf6 18.Ld4

 

 

und mit der Abwicklung ins ungleiche Läuferendspiel gehe ich auf Nummer Sicher. 18...Lxf3 19.Lxf6 Ld5 und wenige Züge später wurde der Punkt geteilt. 1/2-1/2

 

Hebbinghaus,Holger (2294) - Raddatz,Michael (2031)
Travemuende op (4.25), 28.12.2009

 

Die Frage, wenn man gegen schwächere Spieler spielt, lautet oft: Soll man die Variante spielen, die man für die beste hält, oder soll man darauf spekulieren, dass der Gegner weniger sieht als man selbst? 16.f4 [Das wünschenswerte 16.Sd4 erlaubt Schwarz, mit 16...Lc8 17.f4 Sd7 18.Td2 Sb8 sein Läuferpaar zu behaupten.] 16...Sd7 17.Sd4 Lxd4 18.Txd4 c5 19.Td2 Sb8 20.Thd1 [20.Sb5 Txd2 21.Kxd2 Sc6 22.Sc7+ Kd7 23.Sxe6 Kxe6 sichert zumindest den theoretischen Vorteil der besseren Leichtfigur, aber wie soll man das ausnutzen?] 20...Txd2 21.Txd2 Sc6 und gegen das Entlastungsmanöver ...f6,Kf7,Td8 ist im Gewinnsinne nichts zu erfinden, so dass auch diese Partie wenig später remis endete. 1/2-1/2

 

Heimbaecher,Felix (2005) - Hebbinghaus,Holger (2294)
Travemuende op (5.33), 29.12.2009

 

In der fünften Runde hatte ich mir Vorteil erspielt, um ihn direkt wieder aus der Hand zu geben. 15...Sd4? [15...Sb4 16.Sa3 Lb7 17.Sd2 (17.c3 Sxe4 (17...Sc6? 18.Sb5 war der Grund, weshalb ich 15...Sb4 verworfen hatte.; 17...Sa6 wäre immer noch besser als 17...Sc6, wenn sich nicht zu 17...Sxe4 durchringen kann. 18.Sd2 Lxa3 19.bxa3 Sc5 20.f3 Tad8) 18.Txe4 Lxe4 19.cxb4 axb4 20.Sd2 Ld5 21.Sac4 Ld4-/+) 17...Tad8-/+ stellt den Weißen vor das schwierige Problem, überhaupt konstruktive Züge zu finden.] 16.Sxd4 Lxd4 17.c3 Lc5 18.Lg5 Sd7? [18...Tad8 19.Lxf6 gxf6 20.Tad1= wäre die bessere Wahl gewesen.] 19.Tad1 Sf8 20.Le3 Lxe3 und bevor Weiß merkt, wie gut er inzwischen steht, biete ich mal remis an. Auch wenn die Stellung sich gerade noch in der Remisbreite befinden sollte, kann Weiß doch risikolos auf Gewinn spielen, aber ... 1/2-1/2

 

Hebbinghaus,Holger (2294) - Just,Anita (1992)
Travemuende op (6.29), 29.12.2009

 

In der sechsten Runde gab es dann endlich wieder einen ganzen Punkt. Hier habe ich schon die angenehme Qual der Wahl. 15.Lxc6 [Auch 15.Se2 sichert deutlichen Vorteil. Es droht einfach 16.Txd7, und das wünschenswerte 15...Lxc3 (15...De7 16.Dc7) 16.Dxc3 0-0 scheitert an 17.Lxc6 bxc6 18.Dd4] 15...bxc6 16.Lxf6 Dxf6 17.Sf3 De7 [17...0-0-0 18.Se5 Le8 19.Sc4; 17...Td8 18.Se5 Lc8 19.Sg4 De7 20.Dc3] 18.Se5 Td8 19.Df3 [19.Dc3 verfolgt die gleiche Idee wie der Partiezug.; 19.Dd3 f6 bringt noch nicht so viel ein; vor Dd3 muss erst die kurze Rochade provoziert werden.] 19...0-0 [19...c5 20.Db7 lässt Schwarz ebenfalls in hoffnungsloser Lage zurück, z.B. 20...f6 21.Sxd7 Txd7 22.Dc6] 20.Dd3 Lc8 21.Sxc6 und selbst meine bisherige Turnierleistung rechtfertigt es nur unzureichend, diese Stellung noch bis zum 40.Zug weiterzuschleppen. 1-0

 

Kliewe,Hans Juergen (2117) - Hebbinghaus,Holger (2294)
Travemuende op (7.19), 30.12.2009

Weil die siebte Runde so kurz war, folgt die Partie komplett. 1.d4 d5 2.Sf3 Sc6 3.Lf4 Lg4 4.e3 e6 5.Sbd2 Ld6 6.Lg3 Sh6 [6...Sf6 ist die Hauptvariante.] 7.c3 f5 8.Lb5 0-0 9.Da4

 

 

Hier beging ich gleich zwei Fehler. Einerseits kam ich zu der falschen Einschätzung, dass ...Se7 nicht spielbar und daher ...Sb8 erzwungen sei, andererseits verbrauchte für besagte Fehleinschätzung und die Entscheidung, vorher beide Läufer abzutauschen, so viel Zeit, dass ich mich nach 9...Lxf3 [9...Se7 10.Ld7 (10.Sg5 f4 11.Lxf4 Lxf4 12.exf4 Txf4) 10...f4 11.Lxf4 Lxf4 12.exf4 Sg6 muss man aus schwarzer Sicht wahrlich nicht fürchten.] 10.Sxf3 Lxg3 11.hxg3 nicht traute, dass weiße Remisangebot abzulehnen. [Nach 11... Sb8 12.Se5 c6 13.Le2 Sd7 14.Sxd7 Dxd7 steht Weiß wahrscheinlich etwas besser, aber dennoch kann man das als Schwarzer weiterspielen.] 1/2-1/2

 

Beim Blitzturnier (das ich bekanntlich mitspiele, da es weniger kostet als die Teilnahme an der gesamten Brokdorf-WM) unternahm ich als einziger Marmstorfer den Ansturm aufs Marzipan (vergeblich, da selbst der Titel des Remiskönigs des A-Finales (10 Remisen in 15 Runden) nicht verhindern konnte, dass ich in die Geldpreise kam).

 

Wieder einmal zeigte sich, dass das Blitzen eigene Gesetze hat, dann während einerseits Spieler, die im Open nur magere 4½ Punkte erreichten, sich nicht nur für das A-Finale qualifizieren, sondern dort sogar in die Preisränge kommen konnten, blieben andererseits der Open-Sieger Alexander Evdokimov sowie IM Ulf von Herman und Harald Schmidt im A-Finale unter 50%, während z.B. Jan Gustafsson, Norbert Sehner, Julian Zimmermann und Markus Lammers sogar nur mit dem B-Finale Vorlieb nehmen mussten.

 

 Holger Hebbinghaus (07.01.2010)


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Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2010