Norderstedter Osteropen
43 Teilnehmer
hatten sich in diesem Jahr zum Osteropen eingefunden, darunter waren mit
Rolf und mir auch zwei Marmstorfer. An der Spitze war das Turnier diesmal
mit GM Henrik Teske, den IMs Michael Kopylov und Rasmus Skytte sowie einigen
weiteren starken Spielern recht gut besetzt, so dass ich an 7 (statt wie in
den Vorjahren an 1 oder 2) gesetzt war, Rolf fand sich auf Platz 36 der
Setzliste wieder.
In der ersten
Runde waren die Spielstärkeunterschiede noch sehr groß (meine Partie war die
einzige mit einer DWZ-Differenz unter 500), so dass 21 Favoritensiege keine
Überraschung darstellten; Rolf (gegen Michael Faika) und ich (gegen Inga
Marx) gehörten dabei zu den Ersten, die das erwartete Ergebnis ablieferten.
Damit komme ich
zu den (subjektiven
J) TOP 5,
die ein Schachspieler erreicht haben soll:
Platz 5: 100
Turnierpartien in Folge ungeschlagen bleiben.
Platz 4: Mit
Läufer und Springer mattzusetzen.
Platz 3: Sich von
Gutman nach gewonnener Blitzpartie als Patzer bezeichnen zu lassen.
Platz 2: Ein
Remisangebot eines IM abzulehnen.
Platz 1: Bei
einem doppelrundigen Turnier in der Vormittagsrunde so lange zu spielen,
dass die Nachmittagsrunde nicht pünktlich starten kann.
Irgendetwas
fehlte mir da doch noch in der „erledigt“-Liste? Nachdem beim HSK-Eloturnier
letztes Jahr mein diesbezüglicher Versuch noch erfolglos war, klappte es
diesmal; als ich mich in der zweiten Runde mit Marc McAdam auf Remis
einigte, sollte die dritte Runde an sich schon seit zehn Minuten laufen
(einziger Schönheitsfehler war die Tatsache, dass ich eine Gewinnstellung
vergab). Rolf spielte gegen Michael Schomann ebenfalls remis, womit er nach
meinem Eindruck gut bedient war.
In der dritten
Runde ließ ich gegen Malte Colpe ein weiteres Remis folgen, während sich
Rolf gegen Semir Zehic nach hartem Kampf geschlagen geben musste.
In der vierten
Runde war Rolf chancenlos gegen Ulrich Krischer, während Hendrik Möller
gegen mich gerade noch rechtzeitig aufgab, um den pünktlichen Beginn der
Nachmittagsrunde nicht zu gefährden.
Zum Schluss gab
es dann noch mal zwei Remisen (für Rolf gegen Murat Öztürk, für mich gegen
Hartmut Porth), so dass wir beide das Turnier mit einstelligem DWZ-Verlust
abschlossen.
Am Montag folgte
noch das Schnellturnier ebenfalls mit der Teilnahme von Rolf und mir. Mit 40
Teilnehmern war das Turnier quantitativ fast genauso gut besetzt wie das
Open, qualitativ u.a. durch die Teilnahme von Jan Gustafsson und Merijn van
Delft noch etwas besser. Rolf erreichte mit 2 Punkten den 35.Platz und
erhielt zur allgemeinen Überraschung einen Sachpreis als bester Senior
(tatsächlich landeten die beiden übrigen teilnehmenden Senioren vor ihm).
Ich spielte (für ein Schweizer-System-Turnier eher ungewöhnlich) nur gegen
Leute mit einer DWZ von mindestens 2047, von den richtig starken Spielern
wurde mir allerdings auch nur Aljoscha Feuerstack vorgesetzt, so dass meine
5 Punkte nur zum 6. Platz (bei 5 Geldpreisen) reichten.
Es folgen noch
ein paar schachliche Impressionen:
McAdam,Mark (2012) - Hebbinghaus,Holger (2273)
Osteropen Norderstedt (2.7), 03.04.2010
Schlechte
Technik: Wenn man den Übergang ins Bauernendspiel zulässt, dann sollte man
sich auch darüber im Klaren sein, wie man es gewinnt. 55...Te6
[55...g5; 55...Tc6+ 56.Kd3 b4; 55...f4 wären siegverheißende Alternativen
gewesen.] 56.Txe6 Kxe6 57.f4 g5 58.Kd3 gxf4?? So klappt es nämlich
nicht (hier bräuchte man noch einen vierten f-Bauern, um in die weiße
Stellung eindringen zu können), und 20 Züge später folgte der Remisschluss.
[58...gxh4 hätte hingegen mit einem Tempo Vorsprung gewonnen. 59.Ke3 h3
60.Kf2 h4 61.Kg1 Kf7 62.Kh1 (62.Kh2 Kg6 63.Kxh3 Kh5) 62...Kg6 63.Kh2
Kh6] 1/2-1/2
Moeller,Hendrik (2210) - Hebbinghaus,Holger (2273)
Osteropen Norderstedt (4.3), 04.04.2010
Nicht ganz so
schlechte Technik: 44...Sg8 ist in der Tat der einzige Gewinnzug:
[44...Sxg4 erlaubt das Dauerschach 45.Th8+ Kxh8 46.Sg6+ Kh7 47.Sf8+;
44...Txg4 45.Sxg4 Sxg4 46.Tg8 Se5+ 47.Kf8 h5 48.Txg7+ Kh6 49.Txb7 ist auch
nicht mehr zu gewinnen.; 44...Sd7 45.Sg6 Se5+ 46.Sxe5 bringt eher noch
Schwarz in Verlustgefahr.; 44...Td7+ 45.Sxd7 Sxd7 46.Tg8 ist eine
schlechtere Version von 44...Txg4] 45.Tb8 [45.Sg6 zwingt mich
wenigstens, die Qualität zu geben, aber nach 45...Td7+ 46.Ke6 Kxg6 47.Kxd7
Sf6+ 48.Kc7 Sxg4 entscheiden die verbundenen Freibauern. 49.Kxb7 h5 50.Kxc6
h4 51.Th8 Sh6 52.Kd5 h3 53.Tf8 Kg5] 45...Tf4+ 46.Ke6 Sf6 und die
übrigen 11 Züge sind nicht mehr so spannend. 0-1
Hebbinghaus,Holger (2273) - Kopylov,Luba (2181)
Schnellturnier Norderstedt (6.7), 05.04.2010
Eine kleine
Taktikaufgabe: 15.fxg6 fxg6 16.Txf6 Txf6 [16...Sxf6 wäre um einiges
zäher: 17.e5 dxe5 18.Se4 Kg7
und nun hat Weiß
die angenehme Wahl zwischen 19.g3 mit der Idee 20.Tf1 (nach 19...h5 sollte
man allerdings noch 20.Kg2 einschieben, da 20.Tf1 Sxe4 nicht so klar
ist) und 19.Lh6+ Kg8 20.Lxf8 Sxe4 21.Le7 g5 22.Lxd8 gxh4 23.Lxh4
mit verheißungsvollem Endspiel; 19.Tf1?? scheitert hingegen an
der Grundreihenschwäche nach 19...Sg8] 17.e5 dxe5 18.Se4 Kg7
19.Sxf6 Sxf6 20.Tf1 Dd7 21.Lh6+ Kg8 22.Dxf6 und sich mit 23.Df8+ Txf8
24.Txf8# mattsetzen lassen wollte sie dann nicht mehr. 1-0
Holger Hebbinghaus (08.04.2010)